Fußball-Migräne?

 Von Dieter Buchelt

 

 Bereits lange vor Beginn einer Europa - oder gar Fußball-Weltmeisterschaft wird in den Medien vom imaginären Fußballfieber gefaselt, die Tage werden akribisch gezählt, bis es dann endlich wieder fast losgeht.

 

Nun läuft er wieder der Ball -  mal hierhin und mal dorthin -  und manchmal sogar ins Tor. Doch es gibt auch Stimmen, die eher eine Fußball - Migräne vermerken, eine Woche nach Beginn der Fußball-WM frohlockt Markus Feldenkirchen im Spiegel Nummer 25 unter dem Titel "Deutschland flaggt sich ab", daß "die Fähnchen fehlen".

 

Und in einem Anfall spontaner Witzigkeit führt er weiter aus: "gefühlt ist selbst die isländische Fahne auf deutschen Straßen präsenter als die deutsche."

 

Da hat er aber nicht geahnt hat, wie weit es diese Überraschungs- Fußballer noch bringen würden. Jedenfalls ist er recht zufrieden und werde die von Ihm konstatierte Fahnen-Flaute als Ausdruck eines sehr gesunden Bewußtseins... Auch sein Journalisten-Kollege Alexander Osang hält im selben Heft den Ball eher flach.

Seit fast 30 Jahren in einer namenlosen Fußballmannschaft spielend, in der fast alle Journalisten sind, beschlossen sie in einer Sommernacht während einer EM "spielen geht vor gucken".  Zum Guck Guck  hat der Herr Osang deshalb auch vergessen, um welche EM es sich handelte.

 

Namenlose Fußballmannschaften werden mit Fähnchen keine Probleme haben, weil es sie nicht gibt in ihrem Umfeld. Dabei ist Fußball doch ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor. Der Verkauf von Fanartikeln sichert so manchem Einzelhändler ein sommerliches Umsatzplus. Selbst Oliver Kahn ist sich nicht zu schade, von den Twix- Automaten (ehemals Raider) von vielen Bahnhöfe  mit grimmigem Blick zu verkünden: hungrig fahren wir nicht zur EM. Auf einer internen Google- Präsentation am 14.06.2016 erfuhr ich, daß nicht die Fahne, in einem 7- Tage -Trend, der meistgesuchte Fanartikel ist, sondern das Trikot, daß die Fahne vom ersten Platz verdrängt hat. Immerhin landet die Autofahne noch auf Platz vier -   vor Horn und Nudeln.

 

So mußte Herr Feldenkirchen wohl auf die Fanmeilen und in die überfüllten Züge steigen, um seinem ausgemachten Trend nachzuspüren. Aber der letzte Satz seines Artikels faßt alle seine Befürchtung noch einmal zusammen: vielleicht warten die meisten aber auch nur bis zum Halbfinale. Von der Politik kann er dabei keine Rückendeckung erwarten. Für den Tag des Halbfinalspiels Deutschland gegen Frankreich beschlossen die Fraktionen des Bundestages, daß alle Parlamentarier also die Bundestagsabgeordneten, pünktlich vor ihrem TV-Geräten sitzen könnten. So verkündet in den Nachrichten dieses Spieltages. Die sonst bis weit nach Mitternacht geplante Sitzung werde stark verkürzt, die Reden sollen nicht gehalten, sondern nur zu Protokoll gegeben werden. 

 Das Spiel ist nun gelaufen, die Bedenkenträger unter den Journalisten sind erleichtert,    die Gastronomen und Fähnchenverkäufer ernüchtert,   das Fußballfieber ist gewichen,   die Migräne kann kommen:  nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

 

D.B. 

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