Zur WM 2018: Fußball und Politik

Von Dieter Buchelt
Nun rollt er wieder, der Welt verbindende Fußball und Bundestrainer Jogi Löw macht in der ARD weiter fleißig Werbung für eine Nivea-Dusch-Milch, obwohl das erste Spiel der deutschen Mannschaft eher einer kalten Dusche glich. Und nicht nur dieses.
Ihr letztes Spiel dieser WM gegen die scheinbar harmlosen Koreaner setzte dem Fußballweltmeister Deutschland ein abruptes Ende dieser WM in Vladimir Putins Rußland.
Doch ein gewisses Fußballfieber grassierte schon vor Monaten in den Medien. In einer TV-Talkrunde zur Flüchtlingspolitik wurde das Bild bemüht, Kanzlerin Merkel habe im Alleingang den Ball ganz weit voraus geschossen und sich dann gewundert, daß niemand folgte.
Ja im europäischen Haus blieben die Türen weitgehend geschlossen, keine vor Tatendrang hin und her trippelnden Mitspieler, eher ein zerstrittener Haufen von Egozentrikern und Separatisten.
Und auch sonst, um im Bilde zu bleiben, hat uns der Fußball schöne Parallelen zur Wirklichkeit beschert. Politische Lattenschüsse, wie der Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld oder "Stuttgart 21" sind die Spitze des Eisberges, die den täglichen Unmut über politische und wirtschaftliche Fehlschüsse begleiten. Da sollte uns doch die Fußball-WM eine kurze Auszeit bieten.
Doch was jetzt? ARD und ZDF bangten um Einschaltquoten bei einem frühen AUS unserer Mannschaft. Die Party- und Bierwirtschaft will nicht auf riesigen Warenbergen sitzenbleiben. Der soziale Frieden kann in Gefahr geraten. Und das alles ausgelöst durch einen trivialen Fußball. Immerhin, Franz Beckenbauer erklärt in einem seiner  unnachahmlichen Interviews, rückblickend auf seine große Zeit als Fußball-Kaiser: "Der einzige, der mir leid tat, war der Fußball!"
Nun ist das Schlimmste bei der WM für uns Deutsche wahrgeworden, das Aus schon in der Vorrunde, es gibt einen kleinen Trost: die Merchandising-Industrie hat Klopapier mit Rasen-Geruch auf den Markt geworfen, WM-Rasengeruch.
D.B.
(E.A.M.-Berlin, Juni 2018)
Kommentare: 0