Googlest du noch oder erlebst du es schon?

Von Dieter Buchelt

 

 

 

Es ist schon fast vier Wochen her, seit die ITB in Berlin, weltgrößte Reisemesse , ihre Pforten geschlossen hat. 160 000 Besucher waren es in diesem Jahr. 1o ooo weniger als im Vorjahr, aber das kann mit dem 8. März zusammenhängen, der im Land Berlin erstmalig als Feiertag ausgewiesen wurde. Doch die enorme Ausstellernachfrage mit etwa 10 000 ausstellenden Unternehmen aus 181 Ländern und Regionen spricht schon für sich. Und die Messe Gmbh ( langjährig AMK-Berlin ) verkündet stolz, der ITB-Kongreß sei so hochrangig und international besetzt wie nie zuvor. Dort wurde über „zugespitzte Overtourism-Konflikte, den Wandel von Kundenansprüchen, den Kollaps des Weltklimas und neuartige Verkehrssysteme" diskutiert.

 

Immerhin, ein TV-Beitrag im Umfeld der ITB berichtete darüber, daß die 760 Millionen weltweitfahrenden Autos angeblich weniger Schadstoffe ausstoßen, als die mit 2 Millionen Passagieren umherschippernden Kreuzfahrtschiffe. Doch scheinbar ist selbst dem Klimawandel noch ein positiver Effekt abzuringen. Und der kommt aus den Bergen. Immer weniger Schnee auf den Höhen, läßt das Radfahren zu einem neuen Trend in der touristischen Vermarktung dieser Regionen werden. Und dieser Trend setzt sich im Flachland fort. Deutlich zu bemerken auf der ITB. Umfangreiches Prospektmaterial für Radtouren, Radwegekarten von neu angelegten Trassen, Gruppenreisen mit dem Rad – alles eine erlebnisversprechende und naturverbundene Art von touristischen Aktivitäten.

 

In der zunehmenden Virtualisierung geht es etwas weniger aktiv zu, zumindest körperlich. Hier beherrschen Touch-Screen und erste Roboter das Feld. Wie PEPPER ein etwa 1,30 Meter großer Roboter der Deutschen Lufthansa mit Sprachsteuerung, lustig anzuschauen in seiner menschenähnlichen Vollplastikverblendung auf winzigen Fußrollen. Und selbst auf Beschimpfungen wegen Flugausfällen wird er sicher ganz gelassen reagieren können.

 

Doch immer stärker werdende Virtualisierung, der stark wachsende Online-Vertrieb sind nicht aufzuhalten. In den Jahren 2017/2018 wurden über Online-Kanäle bereits 43 Prozent des touristischen Gesamtumsatzes abgewickelt. Für althergebrachte Reisebüros eine nicht zu unterschätzende Konkurrenz und auch auf er ITB waren vor allem Stände mit virtuellen Angeboten sehr gut besucht.

Da könnte es dann im Familienurlaub auch denkbar sein, daß die Jüngsten am Ferienort alles viel besser auf ihrem Handy erleben können. Stefan Jerzej Lec, ein polnischer Schriftsteller meinte: „Gehe mit der Zeit, aber komme von Zeit zu Zeit zurück!"  Dies fiel mir ein, als ich auf der ITB die Stände des Landes Sachsen besuchte.

 

Als ursprüngliches Industrieland hatte es Zeugnisse dieser Zeit, alte Maschinen und Modelle ausgestellt, die zum Teil eine Kopplung und Steuerung mit moderner Technik hatten. Eine Anregung auf diesen geschichtsträchtigen Pfaden selbst zu wandern.

Eine weitere Überraschung ebenfalls; Ein Stand mit alter Hobelbank, verschiedenen Werktischen, einem teildemontierten Geländewagen. Motto dieser Selbstbetätigungsstätte:  „Rettet das Handwerk" , betrieben von jungen Leuten, die ihre eigene Begeisterung weitergeben wollen.

 

Hier werden die Handys höchstens für ein Foto dieser Werkstatt hervorgeholt.

 

D.B.

 

 

 

(E.A.M. Berlin 04-2019/ Dieter Buchelt )

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