Kulturanalyse

Kulturgut Rezitieren: Der Vorlesetag im November

Von Edelgard Richter

 

 

Am 20. November 2015 ist bundesweiter Vorlesetag, der am 12. November 2004 zum ersten Mal stattfand. Damals beteiligten sich 2.000 Vorleserinnen und Vorleser an der Aktion. Beim letzten Vorlesetag am 15. November 2014 warne es schon rund 83.000, die rund zwei Millionen Zuhörerinnen und Zuhörer erreichten.

 

Initiatoren des bundesweiten Vorlesetages sind die Wochenzeitung „Die Zeit“, die Stiftung Lesen und die Deutsche Bahn Stiftung. Bereits seit 2007 beteiligt sich auch die Deutsche Bahn am bundesweiten Vorlesetag. Teilweise finden deren Vorlese-Aktionen an ungewöhnlichen Orten statt, so beispielsweise auf Bahnhöfen oder in Zügen. Die meisten Vorlese-Aktionen finden jedoch in Kindergärten, Grundschulen und Bibliotheken statt, aber auch in Senioreneinrichtungen.

 

Zahlreiche Prominente und Politiker beteiligten sich an dem Vorlesetag. So haben am bundesweiten Vorlesetag teilgenommen: Die Moderatorin und Sängerin Barbara Schöneberger, die Journalisten Tom Buhrow, Marietta Slomka, Anne Will und Peter Kloeppel, die Sängerin Sarah Connor, Fußballmanager Oliver Bierhoff und Ex-Torwart Jens Lehmann. In diesem Jahr werden unter anderem Dr. Eckart von Hirschhausen, Anne Will,Gundula Gause, Nazan Eckes, Olivia Jones und Motsi Mabuse sowie Dr. Wolfgang Schäuble, Heiko Maas und Andrea Nahles vorlesen.

 

Ergänzt wird der bundesweite Vorlesetag durch eine Vorlesestudie, die 2007 mit dem Thema „Vorlesen in Deutschland“ begann und in diesem Jahr mit dem Thema „Vorlesen – Investition in Mitgefühl und solidarisches Handeln“ befasste. Die zentrale Fragestellung war, inwiefern Vorlesen das soziale Empfinden und Verhalten von Kindern prägt. Dazu wurden über 500 Kinder und deren Mütter befragt. Das Ergebnis wurde heute in Berlin präsentiert.

 

Die Studienleiterin Dr. Simone C. Emig vom Institut für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen wies darauf hin, daß die Bedeutung des Vorlesens unabhängig vom Bildungshintergrund der Familien nachweisbar ist: „Tägliches Vorlesen unterstützt Kinder auch dann in ihrer Entwicklung, wenn die Eltern kein Abitur und keinen Hochschulabschluss haben“. So wurde festgestellt, daß bei Kindern, denen vorgelesen wird, die schulische Leistung besser wird, sie können sich gut konzentrieren und sind vielseitig interessiert. Häufig werden sie als fröhlich und selbstbewusst beschrieben, als Kinder, denen selten oder nie vorgelesen wurde.

 

Antje Neubauer, Vorsitzende des Fachkuratoriums Bildung der Deutsche Bahn Stiftung gGmbH und Leiterin PR & Interne Kommunikation DB-Konzern, erklärte, daß lediglich ein Drittel der Eltern vorliest. Kinder, denen vorgelesen wird, „sind zupackend und aktiv“. Weiter sagte die Vorsitzende des Kuratoriums Bildung: „ Sie haben die Chance, sich zu starken Persönlichkeiten zu entwickeln. Sie sind eher bereit, in ihrem späteren Berufsleben Verantwortung zu übernehmen und kreativ Dinge voranzubringen“.

 

Vorlesen stärkt aber nicht nur die Kinder selbst, sondern auch die sozialen Beziehungen, in denen sie leben. „Diese Kinder sind empathischer und handeln auch entsprechend. Dafür bekommen sie Anerkennung und Wertschätzung von anderen zurück. Solidarisches Handeln ist also keine Einbahnstraße, sondern für alle Seiten ein Gewinn“, so Dr. Rainer Esser, Geschäftsführer der Verlagsgruppe „Die Zeit“. Dr. Esser ist der Meinung, dass Vorlesen durchaus zur Integration der Flüchtlingskinder beitragen kann.

 

Die Studie konnte aber auch feststellen, dass 85 Prozent der Kinder, denen täglich vorgelesen wurde, nach Aussage ihrer Mütter einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn besitzen, im Unterschied zu 40 Prozent der übrigen Kinder. Dr. Jörg F. Maas von der Stiftung Lesen betonte daher: „Ein Kind mit Gerechtigkeitssinn, das über sein direktes Umfeld hinaus Interesse und Solidarität zeigt, wird sich auch später engagieren – sei es im Ehrenamt oder als Entscheider in einer beruflichen Position“. Es ist gleichgültig, in welcher Sprache vorgelesen wird; die sprachlichen Kenntnisse des Kindes werden sich auf jeden Fall schnell verbessern, zudem wird die Integrationsbereitschaft erhöht. Jeder kann vorlesen. Meldungen unter www.vorlesetag.de

 

E.R. / Dela Press

 

Deutsche Bahn qualifiziert Flüchtlinge

 

Die Deutsche Bahn (DB) hat ein Programm zur Qualifizierung erwachsener Flüchtlinge in Bayern als eines der ersten Unternehmen gestartet. Insbesondere Flüchtlinge mit Berufserfahrung nehmen an diesem Programm teil. DB-Personalvorstand Ulrich Weber stellte das neue Programm und weitere Projekte für junge Flüchtlinge in München vor.

 

Die erste Klasse startet im November 2015 zunächst mit 15 berufserfahrenen Flüchtlingen mit einer Umschulung zum Elektroniker für Betriebstechnik bei der DB in München. Die Qualifizierung beginnt mit viermonatigen Sprachkursen für Anfänger und Fortgeschrittene. Die fachliche Umschulung bei DB Fernverkehr dauert bis zu 28 Monate. Bei erfolgreichem Verlauf plant die DB, das Programm in Bayern auszubauen und regelmäßig anzubieten.

 

Zustande gekommen ist das Programm für erwachsene Flüchtlinge aufgrund einer engen Zusammenarbeit mit mehreren Partnern – der Bundesagentur für Arbeit (BA), der Landeshauptstadt München und der Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern (IHK) sowie dem Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft.

 

Die Teilnehmer des Programms stammen aus acht Ländern, darunter Nigeria, Eritrea, Kongo, Iran, Algerien, Somalia, Syrien und Tunesien. Sie bringen alle Berufserfahrung im elektrotechnischen Bereich mit. Einige sind erst wenige Monate in Deutschland, andere bereits mehrere Jahre. Zuvor wurden in einem eigens entwickelten Verfahren mit Auswahl- und Profiltagen die Vorkenntnisse, Kompetenzen und die Förderfähigkeit geprüft. Das Qualifizierungsprogramm ist in den vergangenen 18 Monaten entwickelt worden. Nunmehr gaben die Vertreter der Beteiligten den Startschuss.

 

DB-Personalvorstand Ulrich Weber sagte: „Mit dem Münchener Programm gehen wir einen neuen Weg und geben berufserfahrenen Flüchtlingen im technischen Bereich eine Perspektive. Es zeigt: Wenn viele mithelfen, kommt etwas in Bewegung, von dem alle Beteiligten profitieren“.

 

Raimund Becker, Vorstand Regionen Bundesagentur für Arbeit, erklärte: „Wir unterstützen Schutzsuchende, damit sie in Deutschland Fuß fassen können. Insbesondere mit Beratungen, nachhaltiger Qualifizierung sowie finanzieller Unterstützung der Arbeitgeber begleiten wir die Menschen auf dem Weg in den Arbeitsmarkt“.

 

Brigitte Meier, Sozialreferentin Landeshauptstadt München, betonte: „Auf dem Arbeitsmarkt entscheidet sich maßgeblich, ob Integration gelingen der scheitern wird. Im engen Schulterschluss mit den Unternehmen müssen wir Flüchtlinge durch Qualifizierungsmaßnahmen in die Lage versetzen, ihren Lebensunterhalt selbstständig zu finanzieren“.

 

 

Dr. Josef Amann, Bereichsleiter Berufsbildung bei der IHK für München und Oberbayern, führte aus: „Die IHK München unterstützt dieses Projekt aus der tiefen Überzeugung, dass Ausbildung und Arbeit der beste und schnellste Weg zur Integration von Flüchtlingen sind“.

 

E.R / Dela Press