Joachim Kardinal Meisner

Der etwas andere Nachruf

Joachim Kardinal Meisner - Der etwas andere Nachruf

 

                                                                                                                                 Von Ramin Rowghani

 

Der übliche mediale Gleichklang

 

„Tempora mutantur....“ Nicht nur in diesem Fall zeigt sich, wie sich das Rechercheverhalten in der Informationsgesellschaft durch das Internet verändert hat. Die Erinnerung ist noch nicht verblaßt, da wir bei Personen, die gestorben waren, für die wir uns meist aus persönlichen Gründen etwas mehr interessiert hatten, den nächsten Tag nicht schnell genug abwarten konnten, um uns einschlägige Gazetten zu besorgen, um zu schauen, „was schreiben die denn noch über den Verstorbenen, was ich noch nicht weiß“ oder welchen Schwerpunkt aus dem Leben des Verstorbenen beschreiben eher die linken oder eher die konservativen Zeitungen. U.U. konnte man nach der Morgennachricht im Radio das Fernsehen mit seinen Nachrichtensendungen von „Tagesschau“ über die zu empfangenen Regionalsender bis „Heute“ ein wenig mehr erfahren und zur 20h-Tagesschau saß man an seinem angestammten Plätzchen und wollte die „vollendete Nachricht“ mit ein wenig mehr Hintergrundinfos rezipieren.

 

Heute läuft das alles ganz anders. Irgendjemand schickt eine SMS oder noch moderner eine Whatsapp: „Hast du schon gehört, der Meisner ist gestorben?“ Dann bleibt es nicht bei dieser, es folgen die anderen und da per App auf dem Smartphone auch über die Hausmail verfügt, wodurch wir weniger am Haus-PC sitzen, kommen die Nachrichten bei yahoo, gmx, AOL oder hotmail von Leuten, die lieber klassisch am Computer sitzen. DIE ganz altmodischen Gesellen faxen noch oder rufen gar an. Soweit zur persönlichen Erstbenachrichtigung.

 

Heute warten wir die TV-Nachrichtensendungen nicht mehr ab und schon gar nicht die Zeitungen am nächsten Morgen, sondern wir gehen ins Internet, sei es per Smartphone, das 70% der Erwachsenen in Deutschland ständig außer Haus bei sich tragen oder wir gehen an den Haus- oder Bürorechner.

 

Wer dann in den Suchmaschinen google oder yahoo eingibt „Joachim Meisner gestorben“, um mehr zu erfahren, wird überrascht sein (oder wer das Informationssystem näher kennt, auch nicht), daß er bei ca. 50 Internetzeitungen, Foren, Blogs und Co. im wesentlichen das gleiche liest, oft mit den selben Fotos. Die eher linken Zeitungen (TAZ, Neues Deutschland, Spiegel, Frankfurter Rundschau , inzwischen auch der Tagesspiegel etc.) heben mehr den einen Schwerpunkt hervor, die eher bürgerlich konservativeren Zeitungen und Online-Portale (z.B. FAZ, Rheinischer Merkur, Morgenpost, Die Welt, Focus (Magazin), Stuttgarter Zeitung, Hamburger Abendblatt, NRZ, Westdeutsche Allgemeine Zeitung etc.) andere Schwerpunkte, aber im wesentlichen unterscheiden sich die Informationen zum Tod und die Hintergrundinformationen zur Person nicht wesentlich. Lediglich die Fachzeitungen und Magazine gehen mehr in die Tiefe und bringen anderes zum Vorschein, in diesem Fall die Kirchlichen Portale.

Zum Tod von Joachim Kardinal Meisner tauchten von links nach rechts immer die gleichen Begriffe auf, allen voran der Terminus „konservativ“ und andere überall nachzulesende Begriffe.

 

Des weiteren folgen die immer gleichen biographischen Angaben, geboren 1933 in Breslau, aufgewachsen in der DDR, daß der damalige Berliner Bischof nicht nach Köln wollte und ein Vierteljahrhundert dann doch in Köln, dem reichsten und einflußreichsten Bistum der Welt, blieb.

Informationen, wie sie bei Wikipedia zu finden sind. Fast niemand macht sich die Mühe, ein wenig mehr herauszuarbeiten.

Aus einer persönlichen Verbindung heraus soll dies hier geschehen und dabei werden alle „Wikipedia-Weisheiten“ weggelassen, somit soll dies ein ganz anderer Nachruf werden.

 

 

Die Anfänge – nach Alfred Bengsch

 

Wer in der Berliner Diaspora in den 60er und 70er Jahren als Katholik lebte, war tief geprägt vom geteilten Bistum und der Berlinischen Persönlichkeit von Alfred Kardinal Bengsch, der schon damals den Titel „Erzbischof“ bekam, der seinerzeit ein Ehrentitel war. Denn damals war Berlin längst kein Erzbistum. Alfred Bengsch war also Erzbischof eines Nicht-Erzbistums. Bengsch war Berliner, West-Berliner, Schöneberger, Gemeindemitglied von St. Elisabeth in der Kolonnenstraße, einer Gegend, aus der auch der spätere Deutsche Weltstar Marlene Dietrich entstammte. Noch heute sieht man der Gegend rund um das durch Günther Jauch auch bundesweit bekannt gewordene Gasometer am S-Bahnhof Schöneberg das Einfache an, die Arbeitergegend, das urberlinische, das seit den 70ern ergänzt wurde durch einen höheren Ausländeranteil. Bis vor wenigen Jahren war diese Gegend eher schlicht, die Mieten für große Altbauwohnung billig, die Preise in Restaurants, Imbissen, Kneipen und Geschäften niedrig (das ist sogar heute noch an einigen Stellen dort so). Der Dietrich hat man dies in ihren ersten Filmen auch angemerkt, woher sie kam.

 

Auch Alfred Bengsch hatte noch viel von der einfachen Berliner Art an sich und das eigentlich bis zu seinem Tod. Heute schickt es sich nicht mehr, in aller Öffentlichkeit zu rauchen. Die Amerikaner behandeln Raucher gar wie Aussätzige, nur noch in Berliner Kneipen kann man heute noch in Deutschland ungeniert rauchen (wenn kein Essen angeboten wird, sogar auch in vereinzelten Eßlokalen geht es noch). Bischof Alfred Bengsch rauchte gleich nach seinen Pontifikalämtern damals zeitweise noch mit weißen Handschuhen, wie es für einen Bischof üblich war, auf den Stufen vor St. Hedwig und überhaupt bis zu seinem frühen Kehlkopf-Krebs-Tod. Von Kardinal Alfred Bengsch gibt es wenig Fotos, noch weniger Videos und einige Tonbandaufzeichnungen, dafür – und: was gar nicht so bekannt ist und man ihm das kaum zugetraut hat – viele theologische Werke. Der Bischof für Ost – und Westberlin residierte im Osten mit der Adresse „Hinter der Katholischen Kirche“ in einem DDR-Bau an St. Hedwig. Einige publizistische Überschriften lauteten sowohl noch bei Alfred Bengsch als auch später bei seinem Nachfolger Joachim Meisner: „10 Tage West – 10 Tage Ost“, gemeint hatten die Journalisten damit, daß der Bischof von Berlin fürs Gesamtbistum Berlin, das sich ausdehnte auf das sowjetisch besetzte Ostberlin (DDR) und aufs von den Alliierten verwalteten Westberlin, zuständig war und im Schnitt 10 Tage in Westberlin seinen Dienst tun durfte. Die Kardinäle Bengsch, Meisner und Sterzinsky hatten als West-Regierungssitz das Bischöfliche Ordinariat an der Charlottenburger Wundtstraße am Lietzensee und eine repräsentative Dienstvilla in der Grunewalder Winkler Str. in unmittelbarer Nachbarschaft zur berüchtigten Demoskopin Elisabeth Noelle-Neumann.

 

Kardinal Georg Sterzinsky, der letzte Bischof von Berlin, der noch vor der Wende eingesetzt wurde und selbst aus dem Osten kam „verostete“ die lokale Bistumsführung allerdings sehr rigoros, wie es insbesondere die West-Katholiken lange scharf kritisierten. Sterzinsky verkaufte in Hauruckaktionen die langjährigen bischöflichen Westordinariatsgebäude wie das einzigartig gelegene Bischöfliche Ordinariat am Lietzensee, von dem aus man direkt auf den städtebaulich oasenhaft anmutenden Lietzensee mitten in Charlottenburg sehen konnte. Die Kardinäle Bengsch und Meisner liebten Ihren Ausblick aus der Wundtstr. 48, die Kirchenmitglieder gingen gerne dort, Ihre Formalitäten erledigen.

 

In 10 Tagen im Monat hatte der Berliner Bischof viel zu tun in Westberlin. Von Firmungen über Gebäudeeinweihungen, Gemeindevisitationen, Presseterminen, Priestertreffen, Westpost sichten und beantworten und wer seinen Bischof etwas näher kannte, durfte dann seine Kindertaufe oder Hochzeit von ihm persönlich vornehmen lassen u.v.m. 10 Tage Westberlin/Monat waren nicht besonders viel. Die vielfach zitierte Überschrift stimmte also genau genommen nicht, denn eigentlich waren es 20 Tage Ost.

 

Das schwierige Bistum Berlin

 

Berlin war (und ist es heute in anderer Form wieder) ein schwieriges Bistum. Für katholische Kirchenmitglieder ist ein Bischof etwas ganz besonderes, das gilt für katholische Länder wie Polen, Österreich, Spanien, Italien etc. ganz besonders, für deutsche katholische Bundesländer (z.B. Köln) auch und es galt auch für die Berlinische Diaspora und besonders für die wenigen Westberliner Katholiken, die ihren Bischof weniger zu Gesicht bekamen.

 

Wenn Alfred Bengsch kam, standen alle stramm, obwohl er sich als so jovialer, rauchender, berlinernder, volkstümlicher Bischof gab. Seine theologischen Bücher hingegeben waren alles andere als jovial. Ein Blick auf Alfred Bengschs Werk lohnt. Bengsch mochte Details, kleine Veränderungen in seinem Bistum waren ihm wichtig und er hatte sie parat. Wenn ihm ein Christ nach der Firmung die neuesten innenarchitektonischen Veränderungen einer Gemeinde mitteilte, etwa: „Herr Kardinal, in der Gemeinde St. Judas Thaddäus Tempelhof wurde am Pfarrsaal eine kleine Bibliothek aus Spendengeldern angegliedert“, dann kam die immer gleiche Antwort: „Dit hat sich schon bei deinem Bischof rumjesprochen“ und tatsächlich ließ er sich über alles vorher informieren. Die Zugkraft der Person des Bischofs ist ungebrochen, sie erinnert fast an die von Popstars und Schauspielern. So führte es stets zu Gelächter und Erstaunen, wenn Kardinal Bengsch etwa nach einer Firmung umringt von Menschen einen Jugendlichen fragte: „Haste mal ne Kippe“. Der frühe Kehlkopfkrebstod schockte Berlin. Die letzte Firmung durch Alfred Bengsch fand auf Initiative von Franziskanerpater Martin Domogalla, ofm., in der Tempelhofer Gemeinde Judas Thaddäus 1979 statt.

 

 

Joachim Kardinal Meisner – der etwas andere Bischof

 

Als Alfred Bengsch nur 58-jährig 1979 starb, war das Entsetzen groß, die Spannung aber ebenso, wer denn „der Neue“ werden würde. Wie auch später in Köln war der schlesische DDR-Bischof ein Fremder. Mit Fremden fremdelt man gerne. Bengsch war fast 20 Jahre Bischof von Berlin und Weihbischof Joachim Meisner kam aus dem ost-provinziellen Erfurt nach Berlin. Der polnische Papst Johannes Paul II. war von der bildhaften Predigtsprache des Schlesischen Weihbischofs begeistert, beide verstanden sich auf Anhieb. Und wenn man die theologische Ausrichtung der beiden Priester später betrachtet, dann weiß man auch, warum, obwohl damals wie heute die Gräben zwischen Polen und Schlesiern, die sich bis heute als Deutsche sehen, damals wie heute groß sind. Aber diese Gräben gibt es nicht bei großen Geistern, schon gar nicht in der Weltkirche, in der Nationalitäten keine Rolle spielen und schon gar nicht bei zwei Kirchenfürsten, die theologisch dem konservativen Lager zugehörig sind.

 

Weihbischof Meisner war ein ganz anderer Typ als sein Vorgänger. Wenn ein deutscher Priester Karriere machen will, dann promoviert er. Die meisten Kardinäle waren und sind promoviert, Georg Sterzinsky war da eine Ausnahme. Joachim Meisner promovierte in der DDR über „Nachreformatorische katholische Frömmigkeit in Erfurt“, gelegentlich wurde von Meisner-Gegnern über dieses Dissertationsthema gelächelt. In der DDR könne man ja über alles mögliche promovieren, in Kirchenkreisen ohnehin, war die Kritik, es sein fast so einfach wie die Promotion in SED-Kreisen. Mit der „Inbesitznahme des Bischofssitzes“ in Berlin war auch Joachim Meisner automatisch die Kardinalswürde sicher. Den Zeitpunkt bestimmt der Papst. Kardinal Sterzinsky sagte mir mal am Rande eines Pressefrühstücks: „Daß ich nach nur 1 Jahr Kardinal geworden bin, hat nur mit dem Berliner Bischofssitz zu tun, Bischof Bengsch brauchte 10 Jahre dazu, Bischof Meisner 3 und bei mir ging es nach 1 Jahr, der Papst wollte, daß wir mit dem Kardinalsamt ein gutes Gegengewicht zu den Protestanten in Berlin haben, die keinen Kardinal haben“ .

 

Der Dr.-Titel war dem frisch inthronisierten Bischof wichtig, zumindest in seiner Anfangszeit. Beim von ihm mitorganisierten Dresdner Katholikentag 1987 unterschrieb er T-Shirts und Fotos noch gerne mit „Bischof Dr. Joachim Meisner“. Das setzte Joachim Meisner auch noch als Bischof von Berlin anfänglich fort. Die Kardinalswürde ließ dann nicht lange Zeit auf sich warten, dann hatte er auch den Dr.-Titel in der Unterschrift nicht mehr nötig. Kardinal Bengsch war zu lange und zu intensiv in seinem Amt und mit den Belangen der Gemeinden und dem kleinen Mann befaßt, daß es anfänglich zwischen den Berlinern und Joachim Meisner zu einem eher kühleren Miteinander kommen mußte. Obwohl es Meisner nicht ungelegen kam, daß er in der kirchlichen Hierarchie aufsteigen sollte, tat er sich in seinem Verhalten anfänglich ein wenig schwer. Die ruppigen Berliner waren nicht sein Klientel, der Ostberliner hingegen schon etwas mehr, aber auch der Ostberliner war ein Berliner (Man hört es ja heute noch stärker als im Westen) und der konnte wiederum mehr mit dem (zwar West-)Berliner Bischof Alfred. Dieser unterschrieb übrigens die ersten 10 Jahre mit „+Bischof Alfred“ und zeigte nicht nur dadurch, daß er näher am Volk sein wollte. Die Umstellung auf den neuen Bischof fiel uns also anfänglich etwas schwer.

 

Ca. drei Jahre – bis etwas zu seiner Kardinalskreierung – dauerte es, bis sich Bischof Meisner etwas mauserte und seine eigene Persönlichkeit entwickelte. Bis dahin schaute er sich das geteilte Bistum still aber sehr genau an, unvergessen in dieser Zeit bleibt sein Bischöflicher Sekretär und heutige Pfarrer Domvikar Josef Rudolf. Er hatte manchmal selbst ein ähnliches Bischöfliches Auftreten wie der Bischof selbst. Domvikar Rudolf hat noch viele Anekdoten über seine Tätigkeit mit Joachim Meisner parat, die er gerne bei kirchlichen Anlässen zum besten gibt. Josef Rudolf sorgte stets dafür, daß das Kirchenvolk die äußeren Gepflogenheiten einhält. Wenn der Bischof etwa zur Firmung in die Gemeinden ging, betrat Rudolf die Kirche vor seinem Bischof und scheuchte das Kirchenvolk resolut von seinen Sitzen, damit alle standen, wenn Bischof Meisner den Saal betrat. Die beiden blieben eng verbunden, im Jahr 2014 hielt Kardinal Meisner zum 40. Dienstjubiläum von Domvikar a.D. Pfarrer Josef Rudolf in Erkner die Festpredigt. Bei der Gelegenheit gab Pfarrer Rudolf fesselnde Anekdoten und Begebenheiten wieder, wie Kardinal Meisner seinen Domvikar immer auf Linie gebracht habe. Z.B. wie dem Bischof sein Domvikar zu unaufmerksam erschien und der Kardinal einfach während einer Messe den Hirtenstab fallen ließ, damit Josef Rudolf wieder konzentriert sei. „Es war eine ganz besondere Zeit mit Kardinal Meisner, mehr als 5 Stunden Schlaf waren allerdings nie drin!“ so der Domvikar. Meisner schickte ihn in den 8 Jahren der Sekretariatsarbeit durch Josef Rudolf auch während des kalten Krieges in die CSSR., damit er die Namen von heimlichen Priesteramtskandidaten einhole, die er sich allerdings nicht aufschreiben durfte, um nicht den kommunistischen Geheimdienst zu mobilisieren. „Merken sie sich mal bitte tschechische Namen“, Bischof Meisner weihte die dann heimlich in der kleinen Privatkapelle hinter der Hedwigskathedrale. Josef Rudolf will diese Zeit in Buchform veröffentlichen.

 

Wie auch später bei Georg Sterzinsky mußte zum Berliner Katholikentag nach dem Tod Bengschs ein neuer Bischof her. Der vorherige Krakauer Kardinal Karol Wojtyla und dann Papst Johannes Paul II handelte schnell. Linkstheoretiker wie Walter Jens und auch der kirchenfeindliche Spiegel unterstellten bereits 1980 zum Beginn der Amtszeit von Joachim Meisner ein autokratisches und konservatives Verhalten. Angeblich hätte der neue Bischof schon Pressezensur geübt und die damals noch unbedeutende „Kirche von unten“ nicht ernst genommen. In der Bevölkerung waren solche Strömungen allerdings nicht sichtbar. Es dauerte also 2-3 Jahre, da konnte Bischof Meisner die Herzen des Kirchenvolkes erobern. Den Katholikentag meisterte der frisch ernannte Bischof mit Bravour, in die schwierigen Berliner Verhältnisse arbeitete er sich immer besser ein. 1983 war es dann soweit: Berlin hatte wieder einen Kardinal. Das Gespann Rudolf/Meisner war bestens theologisch, liturgisch und organisatorisch auf einander eingespielt, Frau Preuschoff im Bischöflichen Sekretariat West am Lietzensee führte gut strukturiert das Sekretariat und die Termine des neuen Kardinals in Absprache mit Rudolf, Joachim Kardinal Meisner war in Ost und West beliebt und inzwischen mit seinem schelmischen und schlesischen Humor im Volk angekommen.

 

Dieter Hanky koordinierte im Bistum die Presse, das Petrusblatt im Morusverlag, das später seinen Sitz im Franziskanerkloster in der Tempelhofer Götzstr. hatte, war das publizistische Sprachrohr des Bistums. Übrigens ging auch hier Kardinal Sterzinsky nicht zimperlich um mit dem beliebten modernen Franziskaner-Kloster und der Gemeinde St. Capistran. St. Johannes Capistran von Stararchitekt Reinhard Hofbauer war eine moderne architektonische Meisterleistung. Im Sommer 2005 wurde es auf Initiative vom Bischof Georg Sternzinsky in einer Nacht- und Nebelaktion zum Abriß freigegeben, der auch sofort erfolgte, wie aus franziskanischen Kreisen berichtet wird, einen Tag, bevor das Kloster und die Kirche unter Denkmalschutz gestellt werden konnte. Bischofshaus im Grunewald und St. Johannes Capistran in Tempelhof wurden abgerissen in einer Zeit, wo man dankbar ist für die wenigen historisch interessanten Gebäude in Berlin.

 

Das Petrusblatt ging irgendwann im Hedwigsblatt und der katholischen Kirchenzeitung auf.

Rückblickend kann man wohl diese Jahre für Joachim Meisner als die unbeschwerteste Zeit des Kardinals werten und eine glückliche Zeit nennen. Er hat es zum höchsten kirchlichen Rang gebracht, er leitet ein Bistum, das große Aufgaben zu bewältigen hatte im kommunistischen und freien Teil, er war beliebt wie nie mehr nach dieser Zeit und Joachim Meisner hatte als Bischof von Berlin noch einige Freiräume, die ihm in seine Kölner Zeit nicht mehr gegeben waren. Kirchlich und gesellschaftlich mit ungeheurer Prominenz versehen, konnte er sich doch sowohl durch Ost- als auch durch Westberlin unbehelligt und unerkannt bewegen. Später erzählte er in einer der vielen Reportagen als Erzbischof von Köln, daß ihn dort der kirchenfürstliche Alltag nicht immer beeindruckt. Er könne in Köln nicht mehr unbeobachtet in Ruhe durch die Stadt spazieren und mache immer weniger selbst. Nur das Kaufen von Tintenpatronen erledige er noch selber.

 

Berlin hatte wieder einen Kardinal, die Kirchenprovinz nahm wieder großstädtisch an Bedeutung zu, Joachim Meisner war Vorsitzender der „Berliner Bischofskonferenz“, deren Namen verwirrend ist, denn er war dadurch oberster Bischof der Ostbistümer. Der Zeitgeist machte auch vor Berlin und vor der Kirche nicht halt. Und ab diesem Zeitpunkt, als ca. seit der Kardinalserhebung 1983 verschwand so langsam die Zeit der Unbeschwertheit. Gerade im Westen begann es zu rumoren. Ob Joachim Meisner ein eher konservativer oder eher ein progressiver Theologe und Kirchenführer war – übrigens wie auch beim polnischen Papst Johannes Paul II., bis dato noch nicht wirklich ersichtlich. Während die DDR-Katholiken, die in Berlin in zweifacher Weise in der Diaspora lebten, einmal als Katholiken unter Christen zum anderen als Christen in der atheistischen DDR, hielten eher an Riten fest als die Katholiken im Westen. Der Westen modernisierte sich rasant in dieser Zeit. Die Westgemeinden wollten Kommunionhelfer, am liebsten noch Kommunionhelferinnen, Ministrantinnen waren bei den moderneren Pfarrern gern gesehen, der katholische Priester Eugen Drewermann zweifelte die Jungfrauen-Geburt an und rüttelte massiv an einem wesentlichen Glaubensgrundsatz, plötzlich schlossen sich viele katholische Westpriester diesen Zweifeln an und hielten zumindest innerhalb der Gemeinden nicht hinterm Berg damit. Und im Osten war alles anders. Zur gleichen Zeit ab Mitte der 80er Jahre dachten der DDR-Klerus und auch die meisten Gemeindemitglieder nicht daran, irgend etwas zu ändern, zu modernisieren. Rasch breiteten sich Frauen am Altar in Westberlin aus, von der Ministrantin zur Kommunionhelferin, im Osten war nicht daran zu denken. Hirtenbriefe wurden nach Gusto des Westpfarrers teilweise nur ausgelegt und nicht verlesen und einige weitere modernistische Gepflogenheiten machten sich breit. Spätestens jetzt mußte ein Profil von Joachim Kardinal Meisner erkennbar sein. Und es kam ziemlich deutlich zum Vorschein. Dem Kardinal gefiel dies alles gar nicht und er gab seine bis dato zurückhaltende diplomatische Haltung auf.

 

All diese Dinge und einiges weitere waren zu viel für ihn. Im Bischöflichen Ordinariat West am Lietzensee türmten sich Stapel von Briefen, aus Gemeinden, von Priestern. Zahlreiche Anfragen zu den neuen Riten mußten beantwortet werden und Kardinal Meisner beantwortete sie sehr deutlich: er war gegen all dieses und hatte dabei den Papst im Hintergrund, der genau so dachte wie er. In den vielen Briefen antwortete er stets theologisch, mit Verweisen aufs CIC und anderen Schriften, natürlich auch vielen Bibelstellen. Zu dieser Zeit gab es zahlreiche Briefe vom Bischof, jede einzelne Anfrage wurde von ihm beantwortet und das sehr klar. Gegener sammelten seine Briefe, auch die, die an andere gerichtet waren, um harte konservative Positionen zu sammeln, die man Meisner später vorwerfen sollte. Nun war es vorbei mit der Idylle des Kardinals in der Diaspora. Meisner war nun Feinbild der progressiven Katholiken insbesondere im Westen und überhaupt der damaligen Linken.

 

 

Die schwierigen Jahre in Berlin

 

Joachim Kardinal Meisner wurde zum Liebling des konservativen polnischen Papstes. Er fühlte sich vom Pontifex in allem unterstützt, was er später auch in seinem Buch „Er war mein Freund“ ausführlich uns stolz beschrieb. Umso tragischer für ihn war es dann, daß der aktuelle Papst Franziskus Kardinal Meisner keinen Rückhalt mehr gab. Ohne den Rücktritt von Joseph Ratzinger alias Papst Benedikt hätte Joachim Meisner wohl auch mit 80 nicht in Köln seinen Rücktritt eingereicht. In den schwierigen Jahren Berlins ließe sich aber mit Johannes Paul im Hintergrund gut kämpfen und Meisner liebte es zu kämpfen. Die „Kirche von unten“ wuchs. Von bestimmten Priesterkreisen wurden die Hirtenbriefe von Meisner nicht mehr verlesen, ein Tempelhofer moderner Pfarrer legte sie nicht einmal mehr aus, Gräben wuchsen. Joachim Meisner gab in Briefen zur Sexualität vor der Ehe eine klare Absage, Mädchen als Ministranten waren untersagt, der Meßablauf sei nicht eigenmächtig vom jeweiligen Ortspfarrer zu verkürzen, die lateinische Messe müsse mehr Platz in den Gemeindemessen finden, Zölibat, Männerweihe und Abtreibung wurden erst gar nicht thematisiert. Das und noch mehr war der katholischen und sozialen Linke im Bistum Berlin ein Dorn im Auge. Von den traditionsliebenden und nostalgischen Priestern und Schäfchen wurde er geliebt und verehrt und von der Gegenseite zur Haßfigur.

Sein Umgang mit dem Kirchenvolk allerdings war alles andere als unnahbar und kühl. Im Gegenteil , zu jedem, den er traf,  fand er einen individuellen Spruch, Kindern setzte er sein Bischofskäppi auf, nach einer Wallfahrt in der von ihm errichteten Wallfahrtsstätte in Maria Frieden Mariendorf/Tempelhof fuhr er unter den erstaunten Blicken von Pfarrer Carl-Heinz Mertz und den Gläubigen in vollem Bischofsgewand mit einem der dort herumstehenden Räder, er scherzte, witzelte und zeigte sich stets wenigstens im Umgang ganz anders als von seinen Feinden eingeschätzt.

 

1987 erkrankte überraschend der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Joseph Kardinal Höffner. Kurz zuvor gab er ein beeindruckendes langes Interview für die TV-Reihe Zeugen des Jahrhunderts, bei der von seiner Krankheit nichts zu merken war. Nach der Diagnose „Gehirntumor“ ging es dann ganz schnell: „Ich gebe mich in Gottes Hände, denn Gottes Hände sind gute Hände“   waren die letzten öffentlichen Worte von Joseph „Höffi“ Höffner, dem 4-fach promovierten hochangesehenen Weltkardinal aus dem reichsten Bistum der Welt. Beide Kardinäle waren im Dezember geboren, nur einen Tag auseinander und beide waren konservativ. Mit dem Tod von Kardinal Joseph Höffner am 16. Oktober 1987 war für Papst Johannes Paul II eines klar: dieses wichtigste und einflußreichste Bistum der Welt braucht einen bischöflichen Nachfolger, der in allem auf der Linie vom Papst und theologisch von Joseph Höffner ist, es blieb nur Joachim Kardinal Meisner. Die Fama, Joachim Meisner wäre Wunschkandidat des Papstes für Köln, breitete sich schon kurz nach Höffners Tod aus. Berliner Gegner Meisners hofften, seine Anhänger bangten. In Berlin herrschte eine neue Stimmung. Berlin war nach wie vor geteilt, die Medien griffen die Gerüchte auf, Berliner Abendschau und bald sogar die Tagesschau sprachen offen aus, was gemunkelt wurde. Wer den Kölner Katholizismus allerdings kennt, weiß, wie schwer es ein Nicht-Rheinländer dort hätte und ein Bischof aus der DDR? Undenkbar, dazu noch einer vom strammen Papst....Es sollten eineinhalb Jahre vergehen, bis Meisner Erzbischof von Köln wurde. Solange war die Kathedra im Kölner Dom verwaist.

 

Diese eineinhalb Jahre wurden zur kirchlichen Posse. Das Kölner Domkapitel und die Kölner wehrten sich gegen einen Nichtkölner und gegen einen Konservativen. In mehreren Wahlgängen fiel Meisner wie vermutet durch und nun setzte der Papst seine Autorität ein und zeigte: Die katholische Kirche ist keine Demokratie: Der Pole Johannes Paul II setzte seinen schlesischen Lieblingskandidaten Joachim Meisner ex cathedra durch, indem er das Wahlrecht änderte. Der protestantische Ministerpräsident und spätere Bundespräsident Johannes Rau sah dies als „glatten Konkordatsbruch“ und dachte sicherlich auch daran, daß er als Linker mit einem schwierigen Meisner ähnlich weiter zu kämpfen hätte wie mit Joseph Höffner. Auch gerade in dieser letzten Zeit handelte der Berliner Noch-Bischof resolut. In der Vergangenheit legte sich Meisner mit den Jesuiten an und suspendierte einige Jahre zuvor den beliebten P. Walter Heinlein S.J. in Maria Regina Martyrum, Charlottenburg Nord. Der Spiegel hat zahlreiche Berichte, die Meisner als einen ungerechten Hardliner im Bistum Berlin darstellen, die heute im Netz vollständig nachzulesen sind. Von Berufsverbot eines Republikflüchtlings, der im Osten als Küster arbeitete und in den Westen ging und nicht mehr bei der Kirche arbeiten dürfe, bis hin zur medial größten Entscheidung Meisners , nur wenige Wochen vor seinem Abschied aus Berlin. Die TAZ, die Joachim Meisner auch gerne als Feindbild hatte, beschrieb im Juli 1988 mit dem Titel als Alliteration: „Kliesch, Kirche, Kreuzberg“ an einem Beispiel, wie noch ganz kurz vor seinem Weggang 8 Priester versetzt wurden. Pfarrer Dr. Klaus Kliesch war damals im Kreuzberger Wrangel-Kiez sehr beliebt, äußerlich als Priester kaum erkennbar, Die Gemeinde und viele Kreuzberger Nachbarn verehrten ihn, der erst 4 Jahre dort tätig war und u.a. die Suppenküche initiierte. Dem Ordinariat kamen Gerüchte von Verstrickungen, zumindest von zu viel Verständnis für die Drogenszene und für die Autonomen im Berliner Stadtteil SO 36 zu Ohren. Pfarrer Kliesch wurde entgegen einer großen Zahl von protestierenden zeitgleich mit 7 Priestern unvorbereitet versetzt, für Meisner war es ein Gefühl eines aufgeräumten Bistums, das er nun verlassen mußte. Pfarrer Kliesch erfuhr später unter dem bischöflichen Nachfolger Georg Sterzinsky Genugtuung: er wurde Gründungsrektor und Professor an der einzigen katholischen Hochschule in Berlin, der Katholische Hochschule für Sozialwesen, Köpenicker Allee 39, etwas unglücklich gelegen nicht zentral im Ostteil der Stadt.

Die Causa Kliesch hinterließ Spuren und Kardinal Meisner wurde am 12. 02. 1989 in Köln inthronisiert. Sowohl der Abschied, der wie stets in Ost ( St. Hedwigskathedrale) und West (Johannesbasilika) 2 fach begangen wurde, als auch die Zeit der Inthronisation waren ungewöhnlich turbulente Zeiten für Kardinal Meisner und die deutsche Kirche.

 

 

Ungeliebter Erzbischof von Köln

 

Joachim Kardinal Meisner bekundete stets, daß er sehr ungern seine 2. Heimat, das Bistum Berlin verlassen wollte. Mit schlesischem Humor kommentierte er in einer Pressekonferenz den Wechsel: „Köln hat mich nicht haben wollen und ich habe Köln nicht haben wollen, also haben wir eine gute gemeinsame Basis“ Bei dem unermüdlichen Einsatz und dem intensiven Agieren an vielen Berliner Schausplätzen des geteilten Bistums, auch an jenen, wofür sich ein Bischof meist zu schade ist und er es anderen Vertretern überläßt, wie es gerne Kardinal Sterzinsky praktizierte, kann es kaum Zweifel daran geben, daß Joachim Meisner sein Bistum gerne verließ.

 

Allerdings kann man auch einem Bischof dieses Formats durchaus zugestehen, dem Aufstieg einer Leiter nach oben auch nicht abgeneigt zu sein. Meisner wurde ja von seinem Busenfreund Karol nicht in ein kleines unbedeutendes Bistum oder gar strafversetzt, sondern er stieg steil auf, hatte in Köln bedeutend mehr Katholiken, Geld und somit weltkirchlich einen enormen Einfluß. Auch wenn Meisner, der zwar Schlesier aber auch durch und durch DDR-Diaspora-Katholik war, sicherlich sein Ost-West-Bistum, übrigens das einzige, das sich über zwei Staatssysteme erstreckte, sehr vermißt haben wird, besonders am Agieren an der Ost-West-Schaltstelle, sehr gewehrt hat sich Meisner nicht gegen den Bischofsstuhl in Köln.

 

Als er nach einem Pontifikalamt in der Kreuzberger Johannesbasilika von einem Journalisten gefragt wurde, ob er denn den Ruf des Papstes annehmen wolle, war seine Antwort katholisch: „Ich bin katholischer Bischof, das müßte genügen“ Das Verhältnis zwischen Karol und Joachim war so innig, daß Meisner seinem Freund durchaus nahegelegt haben könnte, ihn doch in Berlin zu lassen. Johannes Paulus II wäre ein schlechter Freund, wenn er nicht auf Kardinal Meisner gehört hätte....

 

Nun ist Meisner in Köln angekommen und trat dem Zorn des Kölner Klüngels entgegen. Seine Strategie: ein Jahr lang nichts tun, was weitreichenden Entscheidungen angeht. Die erste große bundesweit ausgestrahlte Fernsehsendung nach dem ersten Jahr in Köln war Claus-Hinrich Casdorffs „Ich stelle mich“, Meisner zeigte sich unerwartet jovial und machte sich beim Publikum und dem sonst als scharf bekannten Moderator durch beliebt, war witzig, schlagfertig, klug. Das Medienecho und die Rezensionen waren groß. Köln war geneigt, auch andere Seiten des Berliner „Hardliners“ zu suchen. In den Jahren darauf konnte Meisner durchaus mehr Sympathien abgewonnen werden und er lebte sich recht gut in Köln ein. Von 1989 bis 2014 war Meisner 25 Jahre lang Erzbischof von Köln und er regierte sein Erzbistum mit der gleichen Akribie, Ernsthaftigkeit, Fleiß, mit seinem konservativen Menschen- und Kirchenbild wie auch in Berlin, aber auch mit Herzblut und Freude am Lenken der Kirche. Daß es natürlich auch in Köln zu massiven Auseinandersetzungen kam mit dem Kirchenvolk und dem Zeitgeist, blieb nicht aus. Auch in Köln gab es unter Protesten Suspendierungen von Priestern, die nicht nach den Grundpfleilern der Kirche zu handeln schienen, Versetzungen, Schließen fortschrittlicher Institutionen, finanzielle Streichungen nicht Meisner konformen Einrichtungen, Amtsenthebungen von Professoren und Religionslehrern ( Man denke an Dr. theol. habil. David Berger) u. v. mehr.

 

Die letzten Jahre

 

Joachim Kardinal Meisner wollte kein aalglatter, bequemer, diplomatischer Bischof sein, dem man nichts anhängen kann, der keinen Kritikpunkten ausgesetzt ist, er wollte sich in keinem Kirchenvolk beliebt machen: weder in der DDR in Erfurt, nicht im Ost-West-Bistum Berlin, noch im erzkatholischen, aber rheinisch-katholischen Köln. Er wollte und hat die Lehre Gottes verkündet und wollte seine Kirche "auf Linie bringen". „Ich rede nicht den Menschen zu Munde, sondern Gott. Die Kirche ist keine Demokratie, sondern eine Christokratie. Wir sind keine Kirche von unten, sondern eine Kirche von oben“.   Ähnliche Aussprüche Meisners sind beliebig fortzusetzen und in zahlreichen Quellen zu finden.

 

Kardinal Meisner hatte unter den zwei großen Päpsten Johannes Paul II und dem deutschen Ratzinger-Papst Benedikt XVI großen Rückhalt. Sie liebten ihren Bischof, der Bischof liebte sie. Sie gingen in der Lehre der Kirche und menschlich miteinander absolut konform. Der Rücktritt Ratzingers war für Meisner ein Schock. Er dachte, daß es Benedikt XVI seinem Vorgänger, wie es üblich ist, nachmache, bis zum Tod amtierender Pontifex zu bleiben. Der amtierende Papst Franziskus, der bezeichnenderweise den Namen des Konkurrenzordens, des Gründes der Franziskaner annahm, man bedenke, er ist Jesuit, war nicht nur in Meisners Augen ein ganz anderer Papst. Meisner beschwor immer die absolute Treue zum Papst „egal, wer Papst ist“. Nun kam Wojtylas und Ratzingers bester Mann Joachim Meisner ins Schleudern. An wem muß er sich mehr orientieren? An der Tradition und den erwachsenen Gesetzen der Kirche oder an einem neuen südamerikanischen Pontifex Maximus, der das nicht mehr in allem tut?  Was blieb ihm, mit 80? Dem Papst den Rücktritt nicht nur pro forma anzubieten, sondern auch wirklich zurückzutreten. Ein Papst Franziskus hat den Rücktritt selbstverständlich gerne angenommen und Meisner nicht zum Weiterregieren gebeten.

 

Joachim Kardinal Meisner achtete auf seine Gesundheit, Priesteramtskandidaten, die morgens beim Erzbischof am Frühstückstisch saßen, berichteten das gleiche, die Gäste konnten essen, was sie wollten, der Kardinal blieb bei gesunder frischer Ananas und Vollkornbrot, nicht immer gab es Kaffee („Der erhöht nur den Blutdruck!“), lieber gesunde Tees, von allem nicht zu viel, Kölsch und Berliner Kindl mochte er in Maßen, auch ansonsten paßte er sehr auf sich auf. Umso unerwarteter erreichte die Kirchenwelt am 5. Juli dieses Jahres 2017 die Todesnachricht von Joachim Kardinal Meisner im Alter von 83 Jahren. Sein Freund Joseph (Ratzinger, Benedikt) ist 7 Jahre älter. Als Todesursache wurde von Köln und dem Umfeld Kardinal Rainer Maria Woelkis undifferenziert angegeben: Herzversagen. Meisner gehörte zur Kardinals-Gruppe der „Dubia“, die „Zweifel“ an der Enzyklika von Papst Franziskus hatten. Ob Herzversagen oder „gebrochenes Herz“.... Erzbischof Georg Gänswein aus Rom, der Diener zweier Herren, die nicht unterschiedlicher sein können (Benedikt und Franziskus) äußerte sich am Tag der Beerdigung des Erzbischofs em. Joachim Kardinal Meisner am 15.07.2017 auf seine Weise aus: „ Ein Gigant wurde verbschiedet“

 

(E.A.M. R.R., 07-2017)

 

 

 

 

 

 

 

 

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