Linker Kultursenator Klaus Lederer übergibt legendären Gloria-Palast am Kurfürstendamm dem Henker

 

Von Armin Arents

 

 

 Westliche Traditionen im linken Berliner Senat......erhalten und plegen? Weit gefehlt: Wieder eine Kinohinrichtung - Der Gloria-Palast am Kurfürstendamm mußte unter das Fallbeil.

 

Tempora mutantur......Daß Berlin einmal von der Partei regiert wird, die diese besondere Stadt einst gewaltvoll geteilt hatte, es klingt so unglaublich, wie wahr es leider ist. Und daß diese Partei (SED-PDS-LINKE) kein besonderes Faible für West-Berlin hat, ist kein Geheimnis. Sogar beim jugendlich wirkenden neuen Kultursenator Klaus Lederer (SED-PDS-LINKE) ist dies ersichtlich, obwohl er doch das Ostberlin bzw. die DDR vor der Wende nur bis zu seinem 15. Lebensjahr erlebt hat. Nur? Eher müßte man sagen: Immerhin 15 Jahre, denn diese Zeit prägt und dazu das soziale Umfeld bis heute auch noch.

 

Äußerlich macht Klaus Lederer keinen unsympathischen Eindruck. Daß er stolz seine Homosexualität vor sich her trägt, ist heute nichts mehr allzu besonderes, als skandalös sehen so etwas noch manche zumeist älteren Bürger mit eigenen Vorstellungen zu Lebensformen. Vorbei die Zeit, da ein CDU-Kultursenator (z.B. der weit über Berliner Grenzen damals bekannt gewesene Volker Hassemer) es angeblich nicht so gerne sah, daß „sein“ Generalintendant der staatlichen Schauspielbühnen, der große Boy Gobert, seine Homosexualität zur Schau trug und vom Bühnenarbeiter bis zum Schauspieler alles vernaschte, was nicht bei Drei auf den Bäumen war und es dem Kultursenator lieb war, ihn schnell von diesem Posten zu suspendieren, auch im Hinblick seines schlecht verwalteten 30-Millionen-Etats. Da war Volker Hassemer froh, den "Snob". losgeworden zu sein, der es sich auch noch mit den beiden Regie-Zugpferden Claus Peymann und Peter Zadeck und anderen verdorben hatte.

Vorbei die Zeit, daß ein Kultursenator in Schlips und Kragen rumrennen mußte, Klaus Lederer liebt es leger, das Sakkotragen mußte er lernen, aber zum Hemd entschließt er sich nach wie vor nicht, das schwarze T-Shirt muß herhalten. Ikonen der einstigen Berliner Kultur wie Prof. Joachim Tiburtius würden sich über manche heutigen Senatoren wundern. Aber was sind nur Äußerlichkeiten? An ihren Taten sollt ihr sie messen...

 

Im einem kleinen Kreis wurde gelobt, daß der ehrgeizige Dr. Klaus Lederer den Fortbestand wenigstens eines der berühmten Kudamm-Bühnen (bisher: die Wölffer-Bühnen "Komödie" und "Theater am Kurfürstendamm") gerettet hätte. Aber wie soll diese Rettung aussehen? Ein modernes stilloses Kellertheater ohne die geschichtsträchtige Ausstattung von Oskar Kaufmann und Max Reinhard. Das soll eine Rettung sein?

 

Noch dramatischer ergeht es dem legendären Gloria-Palast. Er wird die Tage im Winter 2017/ 2018 geradezu hingerichtet. Pünktlich zur Berlinale 2018, der vorletzten mit Dieter Kosslick,   ist das Baudenkmal verschwunden.

 

Daß die Qualität der heutigen Kinofilme nicht mehr ganze Familien hinterm Ofen vorlockt, ist ersichtlich. Mehr die Jugend geht ins Kino, das Mittelalter wenig und die älteren Herrschaften erst gar nicht. Das Kinosterben am Kurfürstendamm ist erschreckend: Das Astor-Kino schloß, das Haus Wien mit der Filmbühne Wien, das Marmorhaus, das Hollywood und das MGM ebenfalls, aber daß ein Baudenkmal so mir nichts dir nichts abgerissen wird, ist schon etwas besonderes.

 

Die 70er Jahre: Es wurde gerne zerstört

 

Schauen wir uns das berühmte „MGM Fenster zur Welt“ an: Es wurde 1956 von Gerhard Fritsche erbaut, hatte seine Eröffnung am 7.12.1956 und den besonderen Charme der 50er Jahre und wurde schließlich in den unrühmlichen 70ern abgerissen, im Jahr 1977. Damals war der Senat auch schon „links“, heute versteht man unter links die PDS-Nachfolgepartei "Die Linke", damals war es die SPD. Der einst „Größten Leinwand der Welt“, dem Royalpalast ging es auch so, er wurde 1965 von Helmut Hentrich, Hubert Petschnigg und Klaus Heese erbaut, die Berliner erinnern sich, wie „Star Wars - Krieg der Sterne“ im Frühjahr  1978 dort über die Riesenleinwand flimmerte im 70mm-Format. Im Royal-Palast war selbst „Ben Hur“ persönlich Charlton Heston Stargast. Auch er wurde abgerissen und schmerzlich finden wir dort einen Saturn-Laden. Kino-Schließungen und diese Abrisse sind legitim, wenn auch extrem schmerzlich.  Was Klaus Lederer nun aber zuließ, ist unverzeihlich und rechtlich fragwürdig. Ebenso ging es zur ähnlichen Zeit dem Hauptgebäude des legendären Ballhaus Resi, Wasserspiele an der Kreuzberger Hasenheide. Berlinbesucher fragen noch heute, wo denn das Resi geblieben sei. Wenigsten einen der Tanzsäle des Resi-Ensembles konnte Kreuzberg noch retten. Es steht versteckt hinter dem 

 

Die Abriß-Ära des Klaus Wowereit

 

Die Charlottenburger Baustadträte Marc Schulte (SPD) und Oliver Schruoffenegger (Grüne) hatten kein Interesse am Erhalt des denkmalgeschützten Gloria-Palast. Auch stellt sich die zurückhaltende Senatsbaudirektorin Regula Lüscher immer wieder in ein zweifelhaftes Licht. Zu einem Zeitpunkt, als der vielen Berlinern in mancher Entscheidung als zwielichtig erscheinende Klaus Wowereit Berlin im Hauruckverfahren zu ruinieren versuchte, stand sie den Baudenkmälern nicht rettend zur Seite. Regula Lüscher würde immer ihr Interesse für das historische Berlin bekunden, als der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, erstaunlicherweise ein gebürtiger Berliner, dann einige Jahre in Berlin wütete, sorgte er gleich für mehrere Bauskandale: Man denke an die Schließung der „Mutter aller Flughäfen“ des Zentralflughafens Tempelhof, ein Opfer für den niemals fertiggestellten BER Flughafen im fernen aus der City schlecht zu erreichenden Flughafen in Schönefeld/Brandenburg.

 

Ein Skandal war der Abriß der ebenfalls unter Denkmalschutz gestandenen Deutschlandhalle, der seinerzeit größten Mehrzweckhalle der Welt. Stadtrat Groehler untersagte kurzerhand den Abriß, stritt sich mit der Messe-Berlin, der einstigen AMK, die dem Bürgermeister Wowereit aufs Wort hörte. Klaus-Dieter Groehler wollte sich nur im Notfall auf den Kompromiß einlassen, daß wenigstens die Fassade mit dem legendären Schriftzug stehen bleibt und das Innenleben umgebaut wird. Der gerne Traditionen pflegende Berlin-Kolumnist Gunnar Schupelius startete eine Aktion, um die Deutschlandhalle zu retten, der  Musik-Veranstalter Oeter Schwenkow, dem wir u.a. den wintergarten an der Potsdamer Str. in Schöneberg zu verdanken hatten wollte die Deutschlandhalle übernehmen. Aber ein Wowereit bleibt kompromißlos und radikal, entgegen linker Gedanken. Er wollte die Deutschlandhalle weghaben, um den unsäglichen CityCube bauen zu lassen, eine zu groß geratene Turnhalle, an Häßlichkeit nicht zu unterbieten, an deren Decken die Kabel und Rohre wie auf einer Dauerbaustelle hängen.

Wofür sich der Vorgänger im Bezirk Klaus-Dieter Groehler, harter Kämpfer für alte Berliner Bausubstanz und historischer Gebäude, Jahre lang eingesetzt hatte, ließen  Schulte, Schruoffenegger, Regula Lüscher und als oberster Dienstherr Klaus Lederer nun fallen, wie eine heiße Kartoffel. Vielleicht waren sie alle nie im Gloria-Palast, einen Film ansehen oder sie haben nicht das richtige Berlingefühl.

 

Gepunktet hätte der Ost-Senator bei den West-Bürgern, wenn er sich strikt dagegen gestellt hätte und öffentlich hinterfragt hätte: „Was ist den eigentlich mit dem Denkmalschutz?“. „Welche Tradition hat dieses Haus?“ Die beiden Gloria-Bauten standen am Kurfürstendamm 10-13 und zwar als 1. Haus am Kurfürstendamm, denn die Nummern 1-9 waren der Gedächtniskirche reserviert. 1924 ist das Haus vor dem Bombeneinschlag von Ernst Lessing und Max Bremer gebaut worden, 1930 feierten Marlene Dietrich und Emil Jannings eine fulminante Premiere im Gloria, mit keinem geringeren Film als „Der Blaue Engel“, einem der ersten Tonfilme. Ebenfalls hatte der als allererster Tonfilm geltende The Jazz Singer von 1927 mit Al Jolson im Gloria-Palast am Kurfürstendamm die Europa-Premiere.

Heinz Rühmann, Hans Albers, O.W. Fischer, Jean Marais, Gina Lollobrigida und eine Liste unzähliger großer deutscher und Weltstars waren im Gloria Premierengäste und wohnten meist nebenan im Hotel am Zoo. Nach dem Wiederaufbau 1953 erhielt das Haus die Nummern: Kurfürstendamm 12-15 mit dem Gloriapalast und dem neuen kleineren Gloriette. Dann hießen die neueren Stars Terence Hill, Horst Wendland, Otto Waalkes und Loriot, die dort auf der Premierenbühne Hof hielten. Aufgrund der historischen Gewichtung wurde der Wiederaufbau unter Denkmalschutz gestellt. Aber wir sehen: Denkmalschutz ist kein Schutz des Denkmals: Wie lernt man noch in der Schule? „Der Denkmalschutz kann nur aufgehoben werden, wenn es gewichtige Gründe zum Nutzen der Allgemeinheit gibt“. Kultursenator Klaus Lederer ließ dann aus seinem Hause vermelden: „Die Auswertung der Gutachten ergab, dass der Erhalt der denkmalbestimmenden Substanz durch die erforderliche Sanierung nicht möglich ist. Ohnehin ist durch in der Vergangenheit erfolgte Umbaumaßnahmen die Denkmalauthentizität bereits erheblich beeinträchtigt“.


Nun kam der Investor Centrum Holding/Group GmbH mit dem Architektur-Büro Ortner & Ortner und wieder tritt die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher in Erscheinung, mit Peter Knopf wird ein Geschäftshaus konzipiert an DER besonders ausgewiesenen Adresse des alten West-Berlins.

 

In der ganzen Welt ist man sich seiner Traditionen bewußt, kaum noch werden Baudenkmäler abgerissen, schon gar nicht für unbedeutende und unbekannte Geschäftshäuser, wie sie überall stehen, alle paar Jahre den Besitzer wechseln und sich nicht wesentlich unterscheiden. Was das mit einem „Nutzen für die Allgemeinheit“ zu tun haben soll, ist unbegreiflich. Genauso „unfaßbar“ sah es der Bauhistoriker Dietrich Worbs, der fast satte 20 Jahre im Landesdenkmalamt arbeitete, er hob auch hervor, daß der Gloria-Palast eines der ersten Kinos am Kurfürstendamm war und später zu den ersten Berlinale-Festspieltheatern gehörte.

 

Hier hat sich Berlins Kultursenator nicht mit Ruhm bekleckert. Volkes Stimme, die sagt: ein Senator, der aus der SED-PDS-Linke – Linie stamme, würde sich in keiner Weise um die Geschichte des alten Westens kümmern, ist vielleicht etwas vermessen. Dennoch: Senatsgrößen wie Joachim Tiburtius würden sich im Grabe umdrehen und auch einer der letzten Kultursenatoren, die sich wirklich für ein historisches Denken (West-)Berlins eingesetzt hatten, Volker Hassemer, wird ein Entsetzen quälen. 2017/18 hielt nicht nur mit dieser Entscheidung die DDR Einzug in Westberlin. Einigermaßen versöhnlich kann man den Berliner nur stimmen, wenn der Neubau viele Elemente des Berliner Gloria-Palastes mit einarbeitet, das Original-Namensschild wieder angebracht wird, die Freitreppe einsetzt und das neue Gebäude dem eigentlichen Gloria-Palast sehr ähnelt: was sollen die geretteten Bauteile in Museen? Das neue Stadtschloß hat es uns vorgemacht. Nur dann verliert dieser Artikel seinen Schrecken. (A.A.)

 

E.A.M.-Berlin, Januar 2018

 

Literatur: Heinz Frick: Mein Gloria-Palast, München 1986

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Kommentare: 1
  • #1

    Gräfel (Freitag, 09 Februar 2018 21:55)

    Was erwartet man von solchen Kulturbanausen? Die Berliner sind Schuld, sie haben sich die Schlächter selbst gewählt. Unter Eberhard Diepgen und seinem Senat wär diese Aktion ein Unding gewesen.