Menschen in den Medien / Medienpersönlichkeiten

Hinrichtung eines Konservativen

Präfekt Kardinal Gerhard Ludwig Müller und Bischof Franz-Peter Tebartz- van Elst
Präfekt Kardinal Gerhard Ludwig Müller und Bischof Franz-Peter Tebartz- van Elst

Von Ramin Rowghani

 

Bischöfe sind prominent wie Politiker. Sie haben Macht. Macht durch ihr Amt, durch das ihnen zur Verfügung stehende Geld, durch ihre Autokratie, wie es sie kaum noch in der Welt in Demokratien gibt.

Bischöfe ( gemeint sind hier immer „echte geweihte Bischöfe“, insbesondere katholische Bischöfe) können Entscheidungen allein treffen, ohne sich mit irgend jemandem abzusprechen, ohne jemandem Rechenschaft abzugeben; kirchenjuristisch sind sie mit "In Besitznahme des Bistums" und der dann beginnenden Regentschaft mit Bischofsstab (Hirtenstab) und der Kathedra (Bischofsstuhl = Richterstuhl) von Beginn der Amtszeit de facto alleiniger Eigentümer der kircheneigenen Immobilien (Kirchen, Häuser, Wohnungen, etc.), Institutionen (Krankenhäuser, Kindergärten etc.) und viel Grund und Boden. Würde man einen Bischof nach der Wahrheit dieser Feststellung befragen, würde er sie stets verneinen. Die Realität zeit aber, daß ein Bischof in einem Bistum mit enormer Macht (Kompetenzen) ausgestattet ist, die ihresgleichen sucht.

Solch eine Position, die an vergangene Zeiten erinnert, honoriert eine Vielzahl von Menschen aus dem Volk nicht mehr. Und wenn es ein solches Amt gerade in der Kirche gibt, dann wird es besonders mißtrauisch angeschaut. Heute wird das  Hirtenamt mehr denn je argwöhnisch betrachtet, mehr noch, es wird attackiert, darin spioniert, der Bischof gerne medial hingerichtet und dann springt das Volk auf den Zug der Medien-Guillotine. Und sie springen alle auf, alle, die nicht verstanden haben, warum ein Bischof ein Bischof ist, alle, die nicht begreifen, woher die Kirche stammt, alle, die „Theologie“ und „Katholos“ nicht begreifen konnten.....und andere auch noch....

Und der Plebs springt auf den Zug des Fallbeils – in mittelalterlicher Manier - besonders dann gerne drauf, wenn sich der Bischof, gemäß seinem Amt, seiner Berufung, der Bibel, den Kirchenvätern, der Tradition und dem hohen Alter der Kirche, nämlich gemäß der ältesten Institution der Welt, schon von Christus als „Felsen“ gelegt, als das, was er nur sein kann: als "Konservativer" erweist.

 

Deutsche Bischöfe: Berühmt wie Politiker und Filmstars

 

Seit dem Rückzug des langjährigen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Prof. Dr. Dr. Karl Kardinal Lehmann, seit dem Tod des Fuldaer Bischofs Dr. Dr. Johannes Dyba und der Hochphase des Kölner Erzbischofs Dr. Joachim Kardinal Meisner stand kein deutscher Bischof mehr derartig in den Schlagzeilen, dessen Schicksal hier beschrieben wird.

 

Kardinal Lehmann, dessen mediale Omnipräsenz auch einem Nicht-Christen nicht verborgen blieb, war als Vorsitzender der Bischofskonferenz 2007 zurück getreten und seitdem aus dem deutschen Rampenlicht gezogen. Johannes Dyba wurde im Berliner Arbeiterbezirk Wedding geboren und ist an der Grenze zu Pankow aufgewachsen, eine Gegend, die wohl auch prägenden Einfluß auf seine später berüchtigten markigen Sprüche hatte. Mit einem Berlinischen Augenzwinkern mischte er sich in moralische und politische Fragen Deutschlands bis 1 Woche vor seinem überraschenden Herz-Tod und redete im Weddinger Dialekt Klartext. Und dann gibt es Joachim Meisner, langjähriger Erzbischof von Köln, vorheriger Bischof von Berlin, der etwas feiner formuliert als Erzbischof Johannes Dyba, aber im Kern den Glauben ebenfalls unverfälscht weitergibt, bis er im letzten Jahr 2014 den Rücktritt bei einem ganz andersartigen Papst (Franziskus) einreichte, offiziell aus Altersgründen, Kirchen intern wurde oft emunkelt: Mit dem liberalen, theologisch-intellektuell niemals in Erscheinung getretenen Argentinischen Papst, der kein einziges Theologisches Werk verfaßt hatte und Haltungen zur Kirche zeigte, die nicht mehr so sehr an die 2000 Jahre alte Traditionskirche erinnert.......Der Rückhalt aus Rom fehlte nun nach dem Rücktritt des Ratzinger-Papstes Benedikt XVI. Diese 3 Bischöfe waren Jahrzehnte in aller Munde, nicht nur in denen der Christen.

Nun sollte in der medialen Aufmerksamkeit und im Gedächtnis des Volkes ein ganz anderer Bischof so massiv verbleiben, wie keiner der vorher genannten mit einem Verfahren, wie es einzigartig in dieser Weise in 2000 Jahren Bischofsgeschichte medial zelebriert wurde.

 

Es war einmal ein Knabe aus Kevelaer, der auszog, den Glauben zu verkünden...

 

Im November des Jahres 1959 wurde das 2. von 5 Kindern in einen niederländisch-deutschen katholischen Land-Adel geboren und nahm nicht nur in seiner Kindheit seinen Glauben ernst, sondern auch im höchsten Amt eines Bistums. Der Glaube ist ihm elementar. Als junger Ministrant, als junger Theologie-Student und Priester, habilitierter Wissenschaftler an der Universität und als Bischof. Der Ministrant galt als freundlich-ruhig, der junge Professor als ernsthaft, sehr korrekt und doch gütig zu den Studiosi, als Bischof von Limburg galt er als autoritär-konservativ.

 

Die Suspendierung eines homoaffinen Priesters in seinem Bistum

 

Der Leidensweg des Limburger Oberhirten Prof. Dr. theol. Franz-Peter Tebartz-van Elst begann im Jahr 2008, nur 7 Monate nach der Inthronisation durch Joachim Kardinal Meisner im Januar. Der glaubenstreue Bischof Franz-Peter handelte im Sinne der Kirche, ganz nach den ihr vorgegebenen Richtlinien: Im August 2008 segnete der Wetzlarer Priester-Dekan Peter Kollas in ökumenischer Weise mit einem (ungeweihten) evangelischen Pastor (Die Priesterweihe wurde seit Luther von den Protestanten abgeschafft) ein Homo-Paar im Wetzlarer Dom.

 

Entscheidungsgewalt

 

Welche Entscheidungsgewalt hat ein Katholischer Bischof in dieser Situation? Seine Exzellenz suspendierte den Priester Peter Kollas vom Amt des Dekans (Priesterlicher Leiter eines Bezirks im Bistums), weil er gegen die katholische Lehre verstoßen habe. Läßt der Bischof den Priester in dem Amt des Dekans, handelt der Bischof gegen seine Kirche durch Tolerierung. Als er gemäß seinem Kirchenauftrag handelte, zog er das Mißtrauen bestimmter kirchlicher Kreise auf sich, sowie die Abneigung der Nicht-Christen. Für Bischof Franz-Peter war klar:  Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, die Kirche stelle homosexuelle Lebensgemeinschaften der Ehe gleich. Zu dem Akt des Klerikers kann man stehen wie man will. Vielleicht werden einige verstehen können, daß ein Priester einem homosexuellen katholischen Paar auch eine Segnung zuteil werden lassen möchte. Man bedenke die Äußerung des damaligen Berliner Erzbischofs Rainer Kardinal Woelki, der auf dem Katholikentag in Mannheim über homosexuelle Partnerschaften das für einen Kardinal unglaubliche Wort sagte: „Ich halte es für vorstellbar, daß dort, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen, wo sie in einer dauerhaften homosexuellen Beziehung leben, daß das in ähnlicher Weise zu heterosexuellen Partnerschaften anzusehen ist.“ Die inzwischen durch die Initiative von Dr. theol. David Berger, selbst ein Homosexueller, geschlossene extreme Online-Plattform „kreuz.net“, verhöhnte Kardinal Woelki seitdem als „Homo-Kardinal“, der „das Böse“ verteidigt.

Solche Worte würden einem Mann wie Bischof Tebartz- van Elst niemals über die Lippen kommen. Er führt seinen Auftrag so ernsthaft aus, wie es die Hl. Schrift und die Kirche erwarten.

 

Der Anfang vom Ende am Beginn der vielversprechenden Bischofskarriere

 

Mit dieser Glaubenstreue begannen progressive Kreise aus dem Bistum Limburg den Bischof Schritt für Schritt zu demontieren. Wie haben sich die Zeiten doch geändert? Früher sagte der Kirchenfürst dem Volk, wo es lang ging, heute wird ein hoher geistlicher Würdenträger aus dem Amt und der Stadt gejagt, wenn er dem Volk nicht zu Munde redet....Joachim Kard. Meisner stellt oft fest: "Wer Gott zu Munde redet, kann nicht gleichzeitig dem Volk zu Munde reden"

Der nun letzte Akt des Limburger Bischofs  ist ja so durch die Presse gewetzt worden, daß ich darauf verzichte, dies hier zu wiederholen. Nur kurz sei erwähnt, daß nicht nur 30 Millionen € in anderen Objekten und Aktivitäten versenkt werden, sondern gleich Milliarden, ob es um den Schönefelder Flughafen geht (für den auch noch zwei bewährte vorhandene Top-Flughäfen geopfert wurden), oder Milliarden-Beiträge nach Griechenland fließen oder auch mehr als 8 Millionen ins Palais des aktuellen Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz wandern, nicht zum Neubau, sondern „nur“ für die Sanierung. Man denke an die Millionen, die in den Neubau des BND-Gebäudes gehen und andere Steuergelder in Milliardenhöhe für die ganzen Umzugsneubauten der Berliner Republik. Erstaunlich war die Aussage des sonst Kirchen kritischen Theologen und (suspendierten) Priesters Dr. Dr. habil. Eugen Drewermann, der Bischof Tebartz- van Elst in Schutz nahm, es sei doch bei den meisten Bauvorhaben so, daß sie letztendlich wesentlich teurer werden, als veranschlagt, weil die ausführenden Firmen sonst den Zuschlag nicht bekämen. Besinnt sich Eugen Drewermann im Alter seiner konservativen katholischen Wurzeln?

 

Die Rolle des Papstes war im ganzen (Medien- , Schau-)Prozeß um Bischof Tebartz-van Elst unklar. Der von ihm geschickte Visitator, Kardinal Giovanni Lajolo sollte das Kirchenvolk beschwichtigen und dafür sorgen, daß der Bischof im Amt bleibt, letztendlich ließ der moderne Papst den ernsthaften Bischof fallen. Auch hier scheinen die Zeiten vorbei zu sein, daß sogar der Papst beim Kirchenvolk auf den Tisch haut und verkündet: „Laßt meinen guten Bischof in Frieden, er hat viel Geld investiert für ein Haus, das die Jahrhunderte später noch überleben soll, qualitativ hochwertig gebaut, äußerlich schlicht, dem Denkmalschutz gerecht werdend, besondere Sicherheits- und Klimavorkehrungen für den Saal für die Reliquien benötigt usw. Dafür braucht man eben so viel Geld.....“ oder ähnliches. Das hätte der Papst tun können, so wie Kardinal Meisner seinem Mitbruder den Rücken gestärkt hat. Aber dies geschah offensichtlich nicht und paßt zur lockeren Art und manch fragwürdiger neuer Theologischer Aussagen von ihm.

 

Damit landet man zwangsläufig beim Grundsatz-Thema: Wie ernst nehmen die Kleriker in ihren unterschiedlichen Rängen ihre Kirche? Wie streng legen sie die Bibel aus oder die Texte der Kirchenväter (diese spielen ja in den protestantischen Kirchen gar keine Rolle). Eines war offensichtlich: Außer Kardinal Meisner hat keiner der „Mitbrüder“ dem Bischof den Rücken gestärkt. Joachim Meisner beklagte in einem Interview: „Wir nennen uns Mitbrüder, aber wir gehen hier nicht brüderlich mit Tebartz-van Elst um“.

 

Ende gut – alles gut

 

Bischof Tebartz- van Elst hat sein Bistum verloren und wäre wahrscheinlich dort unter der schreienden Meute nie mehr glücklich geworden. Er liebte sein Bistum, er füllte sein hohes Amt ganz strikt nach den katholischen Statuten aus. Diese sind auch: Ein Bischof entscheidet ganz alleine, was er mit den Kirchensteuern finanziert und er ist – außer dem Papst und dem Metropoliten (hier Joachim Kardinal Meisner) niemandem Rechenschaft schuldig. Nun wurde er verjagt, obwohl er kirchen- und glaubenstreu handelte. Im Vatikan ist er nun sicher und muß nicht um sein Leben bangen, hat dort höhere Aufgaben und auch der fortschrittliche Papst zeigt wenigstens hier Loyalität: Irgendwelche Rückzahlungen oder gar ein Kirchenprozeß gegen seinen Bischof wird es nicht geben. Die kirchentreuen Kardinäle Meisner und der „aktuelle Großinquisitor“ im heutigen Amt des Präfekten der Glaubenskongregation Kardinal Gerhard Ludwig Müller werden Papst Franziskus die eigentlichen Qualitäten von Franz-Peter Tebartz-van Elst nahe gebracht haben.

Ein Berliner adliger Glaubensbruder kommentierte den tragischen Deutschen Kirchenkrimi mit den Worten: „Demnächst jagt der Pöbel eine andere Sau durchs Dorf“. Und der Theologie-Gelehrte und Bischof Tebartz-van Elst wird in der Weltkirche einen größeren und wichtigeren Einfluß ausüben können als im kleinen kirchenpolitisch unbedeutenden Limburg.

 

R.R.

 

S.E. Bischof Prof. Dr. Franz-Peter Tebartz- van Elst und Ramin Rowghani
S.E. Bischof Prof. Dr. Franz-Peter Tebartz- van Elst und Ramin Rowghani

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Kommentare: 3
  • #1

    G. Dattel (Sonntag, 08 November 2015 21:21)

    Hier handelt es sich endlich mal um einen der wenigen sachlichen Berichte über den (angeblichen) Skandalbischof, der nichts anderes gemacht hat als alle anderen Bischöfe der westlichen Welt: Selbstbestimmt über sein Geld verwaltet. Gut, dass ein im Denken KONSERVATIVER heute im linken Deutschland keine Chance hat, unversehrt seine Dinge zu verrichten, ist klar....Hoffentlich verbiegt sich der neue Berliner Bischof Dr. Heiner Koch nicht zu sehr....Treu bleiben zu den Wurzeln war immer schwer. Man sollte dies mehr leben.

  • #2

    Regula Gerhard (Mittwoch, 18 November 2015 00:35)

    Jetzt verkündet der neue Berliner Erbischof Dr. Heiner Koch, dass er für 43 Millionen Euro die merkwürdig anmutende St. Hedwigskathedrale umbauen will, ein DDR-Produkt, quasi ein Neubau, kühl und häßlich innen, merkwürdig eingekesselt auf dem DDR-Bebelplatz, der immer noch so heißt.

    Und das sogar OHNE BISCHOFSPALAIS mit Garten.....also was soll das Geschrei um einen angeblich verschwenderischen Tebartz-van Elst??? Es geht ja selbst in der Berliner Diaspora so weiter, wo die Katholen praktisch keine Rolle spielen!
    Darum halte ich diese andere Sichtweise vom Autor durchaus berechtigt.
    Und vor allem: Erzbischof Heiner Koch kommt und schon will er 43 Millionen verplempern? Innerhalb der ersten Monate seiner Regentschaft? Kardinal Rainer Maria Woelki, der sich bescheiden gibt, wollte ebenfalls Millionen in Berlin rauschschmeißen! Wir müssen mal die Kirche im ( kath.) Dorf lassen....

  • #3

    politicus (Sonntag, 29 November 2015 02:42)

    WOWEREIT !!! ich sage nur KLAUS WOWEREIT ( und natürlich sein Bausenator Michael Müller) , angeblicher (inzw. endlich ehem. ) Bürgermeister von Berlin! Was sind 30 Millionen für einen rasch zuende gebrachten Bau mit, bei dem denkmalschutz-gerechte auflagen zu beachten waren, gegen 5000.000.000 = 5 Milliarden (!!!) für einen seit Jahren nicht fertig gewordenen Flughafen, wo doch Berlin 3 fertige hat???