Jon Postel - Einer der Internetväter 

Abschied vom Vater des Internet

Jon Postel 55jährig in L.A. gestorben

Los Angeles (pte) (pte007/24.10.1998) - Einer der wichtigsten Pioniere des Internet, John Postel, ist in der vergangenen Woche im Alter von 55 Jahren an den Folgen einer Herzoperation in Los Angeles gestorben. Zuletzt war er Direktor der IANA (Internet Assigned Numbers Authority), der Instanz, die u.a. Netzbereichsadressen und Protkolladressen registriert und vergibt. Viele bezeichneten ihn deshalb auch als "Internet Numbers Czar". Und einige nannten ihn sogar - auch wegen seines Aussehens - den "Gott des Internet". Für die zentrale Rolle in der Internet-Erfolgsgeschichte erhielt er kurz vor seinem Tod eine Auszeichnung der Telecommunication Union.

Als Student assistierte er bereits im Jahre 1969 bei der Arbeit am militärischen ARPANET, dem Projekt, aus dem später das Internet entstand. Das war der Anfang einer Karriere, die ihn zu einer der am höchsten respektierten Personen der Internetkultur machte. Seine Leidenschaft galt Multirechnern, Multimedia Konferenzen, E-Mail, Internet-Anwendungen, großen Netzwerken und der Hochgeschwindigkeitskommunikation. In den Folgejahren war er an der weiteren Entwicklung des Domain Name System beteiligt und war für viele wichtige Entscheidungen in diesem Bereich verantwortlich.

Neben seinen sonstigen Aufgaben war Postel Gründungsmitglied des Internet Architecture Board (IAB) und erstes Mitglied der Internet Society (ISOC). Seit der Einführung der "Request for Comments" (RFC), dem Selbstverwaltungsinstrument des Internet, moderierte und editierte er dieses Diskussionsforum. Über dieses System war er maßgeblich an der Entwicklung einiger der wichtigsten Protokolle des Internet beteiligt. Darüber hinaus verwaltete er die Domainvergabe unterhalb der Top Level Domain .us.

Seine Entscheidungsvollmacht ging dabei soweit, daß viele Menschen ihn als personifizierte IANA betrachteten. Vint Cerf, ein weiterer Mitentwickler des Internet-Protokolls, kommentiert seinen Tod mit "Jon, our beloved IANA, is gone".http://www.isoc.org/isoc/media/releases/postelremembered.shtml In den letzten Jahren hat sich Jon Postel für eine Reform des Domainvergabesystems stark gemacht. Er unterstützte die Bildung eines Verwaltungssystems, das neue Top Level Domains, internationale und miteinander konkurrierende Vergabestellen und eine Auflösung des Network Solutions-Monopols (.com, .net etc. Domains) vorsah. http://www.netsol.com/

Im Frühjahr 1998 sorgte er für Aufsehen, weil er versuchte, volle Kontrolle über die Root-Server des Internet zu erhalten. Er sandte dazu schlicht eine Mail an die Betreiber der 12 Root-Server (außer Root-Server A) mit der Bitte, die Kontrolle des Systems an seine eigenen Rechner in Kalifornien zu übergeben. Damit hätte er einen eigenen "Root-Server A" aufgebaut.

Das Vertrauen der Verantwortlichen in seine Person war so groß, daß mehr als die Hälfte ihm die Kontrolle umgehend übergab. Es wird gemutmaßt, daß Postel damit auf das Green Paper Ira Magaziners reagierte. Magaziner, der Berater des US-Präsidenten, hatte mit seinem umstrittenen Entwurf alle bisherigen Pläne zur Reform des Vergabesystems zunichte gemacht.

In den letzten Wochen war Postel maßgeblich an dem Verhandlungsergebnis zwischen IANA und Network Solutions beteiligt, das eine Grundlage für die anstehende Reform des Domainvergabesystems bilden soll. Obwohl er seinen letzten Entwurf, der wesentliche Einschnitte für Network Solutions beinhaltete, ohne Zustimmung der Inkassofirma bei der US-Regierung einreichte, wurde dieser Plan jetzt von der US-Regierung gebilligt.

Leider konnte Postel diesen letzten Erfolg nicht mehr erleben. Vermutlich hätte er ihn auch weniger erfreut, als man annehmen möchte. Er galt nämlich im Unterschied zu vielen seiner Kollegen als medienscheu und fürchtete jeden Rummel um seine Person. Postel mußte bereits 1991 wegen einer defekten Herzklappe operiert werden. Die Prothese wurde aber 10 Tage vor seinem Tod undicht und mußte ersetzt werden. Nach der Operation befand er sich auf dem Weg der Besserung, als er innerhalb von Minuten starb. Ein Nachruf eines langjährigen Freundes von Jon Postel: http://www.egroups.com/list/noframes/rre/941.html

Im Netz wird Jon Postel lebendig bleiben unter: http://www.isi.edu/~postel/ Die Internet-Society nimmt Abschied von Jon Postel: http://www.isoc.org/isoc/media/releases/postel.shtml Die IANA stellte sofort das Jon Postel Tribute ins Netz. http://www.iana.org/postel/postel-tribute.html(netNite, intern.de)